TWI – Zusammenfassung und Abschluss

TWI – Zusammenfassung und Abschluss
Training Within Industry (TWI) hat in meinen Augen eine sehr ungewöhnliche Geschichte und stellt eine ungewöhnliche Symbiose aus Regierungsprogramm und industrieerprobter Vorgehensweise dar, die in kürzester Zeit entstanden ist, um dann in noch kürzerer Zeit praktisch wieder vom Erdboden zu verschwinden.

Um diese außergewöhnlichen Ergebnisse zu beschreiben, sind hier noch ein paar Zahlen.

Während der Laufzeit 1940-45 haben in den USA über eine Million Menschen das Job Instructions Training durchlaufen, über 490 Tausend Menschen das Job Relations Training und immerhin noch fast 245 Tausend das Job Methods Training.

In der Spitze standen gerade mal 400 Personen auf der Gehaltsliste der US-Regierung. Unzählige Trainer, die zuvor selbst Teilnehmer der Trainings waren und dann sogenannten TWI-Institute (Train-the-Trainer-Schulungen) besucht hatten, führten die drei Job-Trainings nach einem einheitlichen Konzept durch, das immer wieder durch Erkenntnisse und Rückmeldungen aus den Trainings selbst verfeinert und optimiert wurde.

Ein Erfolgsfaktor für die Trainings waren auch die Coachings, die den Teilnehmern im Anschluss zur Verfügung standen, um das Erlernte im Tagesgeschäft anzuwenden und dabei auch zu reflektieren, um die notwendige Routine aufzubauen.

Interessanterweise hat es dann über 50 Jahre gedauert, bis vergleichbare Mechanismen und Konzepte im Lean Management durch das Führungsmodell von Jeff Liker (Toyota Way) und das Kata-Modell von Mike Rother (Toyota Kata) wieder in das Bewusstsein gerückt wurden.

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Eine Erkenntnis, die schon in den 1940er Jahren während der Entwicklung des TWI-Programms entstand, ist die Notwendigkeit der Unterstützung von Initiativen dieser Form durch das Top-Management von Unternehmen, ebenso wie die Tatsache, dass diese Unterstützung neben der durch alle anderen Beteiligten und Betroffenen nicht von alleine entsteht, sondern aktiv eingeholt werden muss. Eigentlich eine Trivialität und mittlerweile allgemein verfügbare, tausendfach bestätigte Erkenntnis und doch trotzdem oft übersehen und ignoriert.

Letztlich waren die fehlende Unterstützung in den USA nach 1945 und gleichzeitig die vorhandene Unterstützung (regierungsseitig und durch die Besatzungsmacht), dass TWI in Japan und speziell bei Toyota auf fruchtbaren Boden gefallen ist, während es in den USA in der Versenkung verschwunden ist.

Bemerkenswert ist in beiden Fällen, wie sehr externe Herausforderungen doch zu gemeinsamen Anstrengungen und dann in der Folge zu erstaunlichen Ergebnissen führen können. Anstrengungen und Ergebnisse, die heute wieder bitter nötig wären.

Autor: Götz Müller


 

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Über Götz Müller 6 Artikel
Götz Müller ist Ingenieur, Berater, Redner, Autor (NLP in der Lean-Praxis – Menschlich-soziale Erfolgsfaktoren für Lean, KVP & Co.), Blogger und Podcaster (Kaizen2go). Er beschäftigt sich schon über 17 Jahre mit Prozessoptimierung in unterschiedlichen Bereichen (Entwicklung, Produktion und Verwaltung) und Branchen (Industrie, Dienstleistung und Handwerk/Baugewerbe) auf Basis von Lean und Six Sigma. Als Berater ist er Ansprechpartner für die Geschäftsführung, Coach für Führungskräfte und Trainer für Mitarbeiter auf allen operativen Ebenen. Er ist wohnhaft im Raum Stuttgart und unterstützt von dort aus seine Kunden hauptsächlich in Südwestdeutschland. Ihm liegt nicht nur der methodische Einsatz der Prozessoptimierung am Herzen, sondern auch die menschlichen, kulturellen und historischen Hintergründe und Grundlagen.
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Götz Müller

 

Six Sigma Black Belt / NLP Master Practi­tioner
GeeMco : Götz Müller Consulting

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